Seelenbesuch

 

Einfach an nichts denken, sich fallen lassen, los lassen, bei sich ankommen,

tiefe Vertrautheit spüren, sich sehen, Ruhe!

Mit jedem Atemzug immer tiefer gehen, Lichtfarben kommen, Energie strömt,

alles schwingt, Herzschlag, schwerelos.

Herzschlag , schwerelos, unendlicher Frieden.

 

 

Widerstand

 

Unbehagen, Suchgedanken, weite Blicke gehen ins Leere, keine Ziele,

Unvermögen bedrohen meine Ideale.

Widerstand in meinem Innern, kaum zu sehen aber da, hält mich ab von meinem Flimmern, doch ich weiß es wird bald wahr!

Suche ihn und werd ihn finden, erkennen und ihn dann verstehen,

um fortan ihn dann zu lieben,

alsdann kann er ruhig gehen.

 

 

Erfahrung

 

Die Erfahrung ist, wer weiß es so recht

gut oder schlecht

Oft zeigt sich ihr wahres Gewicht

im Laufe des Lebens aus einem anderen Licht.

 

 

Das Pflänzchen

 

Der Asphalt bricht, da kommt es ans Licht

Trotz aller Widrigkeiten 

Will es jetzt die Welt begleiten.

So zart und weich, voll Kraft und Leben

Holt es sich, Stück für Stück, 

Seine Freiheit zurück

Ungeachtet der Erwartung, 

Voll von tiefem Urvertrauen,

Selbstbewusst und zielgerichtet

Schenkt es uns verzücktes Staunen.

 

 

Musikgedächtnis

 

Musik hebt mich ins Wohlbehagen, ich lass mich gerne von ihr tragen, sie nimmt mich mit auf ferne Reise, zurück auf ihre eigne Weise.

Lässt mich staunen über mich, was mir längst vergessen schien, hat Bestand und wartet nur, immer wieder aufzublühen.

Takt um Takt ist in mir drin, Wort für Wort hat seinen Platz, selbst das passende Gefühl strebt heraus, verborgener Schatz.

Dankbar bin ich, tief berührt,

denn ich werde fortan schreiten zu unendlich schönen Möglichkeiten

 

 

 

 

Gänsehaut

 

Nach extasischen Gelüsten durch den Höhepunkt geflutet

Angstzerfetzte Augenblicke, grausame Entsetzlichkeiten

Mutters liebevoller Kuss, tief im Herzen wohlbehütet

Menschenblicke, Glücksmomente,

Gottes Funke, Lebenswende

Seelenrufbegebenheiten versetzen uns in Schauerzeiten.

 

 

 

Vogelspaß

 

Kreuz und quer voller Lust

Auf und nieder niemals Frust

Bescheiden fordernd ist ihr Ruf

Durch Verbundenheit und Liebe

Folgen sie der Vielfalt Wiege.

 

 

Entdeckt

 

Ein Reh ganz nah auf meinem Weg

Eine Schwalbe die mir ihre Flugkünste präsentiert

Ein Bussard landet nach majestätischem Flug auf einem wippenden Ast

Dankend mache ich Rast.

 

 

Ich frage mich

 

Was ist wichtig, was ist richtig,

Wo liegt mein Schatz, wo ist mein Platz,

Wann bin ich am Ziel, weiß ich schon viel?

Wie fühlt es sich an, wenn ich weiß was ich kann

Für wen bin ich da, werde ich es gewahr?

Jedoch kenn ich die Kraft, die alles schafft!

Ich lehn mich zurück und lass sie geschehen,

So kann ich vertraut durch mein Leben gehen.

 

 

Gewissheit

 

Die Gewissheit zu haben, dass etwas gelingt,

Dass alles richtig ist so wie es gerade ist,

Trotz aller Zweifel und Ängste,

Aller Meinungen und gut gemeinter Ratschläge,

Ist das größte Geschenk in unserem Leben,

Welches wir voller Vertrauen dankbar erleben

Und annehmen dürfen.

 

 

 

Bereit

 

Regenluft, frischer Duft

Sonnenheiß, Erdbeereis

Des Windes schreien, trautes Heim

Schneegestöber, Liebestöter

Jede Zeit ist meine Zeit, drum halte ich mich stets bereit.

 

 

 

Ohnmacht

 

Grausame Entsetzlichkeiten bohren tief in Meinem Herz

Hart trifft der Schmerz, 

Ohnmacht breitet sich aus

Schwer in solchen argen Zeiten

Das Liebliche noch zu begleiten

Doch auf meine eigene Weise 

Konzentriere ich mich leise

Kann die Trauer so durchgleiten 

Gaube weich an den Glanz der Zeiten

So weicht die Ohnmacht der Zuversicht

Und rückt das Leben ins rechte Licht

Der Sinn ganz klar und offensichtlich,

Genießen, 

Das bin ich allen Seelen schuldig, 

Die diese schöne Welt verließen.

 

 

                                                               Katrin Skarabis

 

Sind Achtsamkeit, positives Denken und Wertschätzung wichtige Kriterien in der Psychologischen Beratung?

Abschlussarbeit Psychologische Beratung Ausbildung bei Impulse e.V.

 

Katrin Skarabis

 

1. Einleitung

 

 

Während meiner Ausbildung zur Psychologischen Beraterin bei Impulse e.V., habe ich die klientenzentrierte beziehungsweise personenzentrierte Gesprächsführung nach Carl R. Rogers kennengelernt. Bei dieser Gesprächsführung steht vor allem der Prozess der Beziehungsentwicklung zwischen dem Berater und dem Klienten im Vordergrund. Das bedeutet, dass der Berater einen Rahmen schaffen muss, in der eine gute, gesunde Beziehung entstehen kann, in welcher das Wachstum und die Veränderung gefördert werden können. Der Berater versucht ohne Intervention den Klienten zu seiner intrinsischen Motivation zu führen. Denn jedem Mensch ist ein Wachstumspotenzial eigen, das in einer zwischenmenschlichen Beziehung zu einer Einzelperson, zum Beispiel einem Berater, freigesetzt werden kann. (vgl.C.R.Rogers 1999, S.17) Dies kann erreicht werden, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Neben dem äußeren Rahmen ist auch die innere Einstellung des Beraters von grundlegender Wichtigkeit. Er sollte die Werte Akzeptanz, Empathie und Wertschätzung verinnerlicht haben und sich seinen Mitmenschen gegenüber dementsprechend verhalten. Bei seinem Klienten kann er dies realisieren, indem er ihm gegenüber echt, das heißt kongruent ist, den Klienten uneingeschränkt akzeptiert und ihm damit Aufmerksamkeit und schließlich Vertrauen entgegenbringt. Es ist  besonders wichtig, dass der Berater selbst eine emotional stabile Persönlichkeit besitzt, die es ihm möglich macht, sich der Situation entsprechend auf seinen Klienten einzustellen und ihm mit diesen Werten zu begegnen. Wie aber erreiche ich als Beraterin eine solche emotionale Sicherheit und innere Einstellung? Wie schaffe ich es, jederzeit kongruent zu sein? Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen hat meine Aufmerksamkeit zur Achtsamkeit, zum positiven Denken, sowie zur Wertschätzung gelenkt. Auf Grund dessen habe ich mich für das Thema meiner Facharbeit entschieden, welches die Frage klären soll:

 

„Sind Achtsamkeit, positives Denken und Wertschätzung wichtige Kriterien in der Psychologischen Beratung?“

 

Hierfür habe ich Fachliteratur studiert, Achtsamkeitsübungen trainiert, sowie Entspannungsmethoden in Form von Yoga und Autogenem Training kennengelernt und geübt, aber auch meine Umwelt und mich  beobachtet. Ich möchte anhand von Auszügen aus dieser Fachliteratur, meinem Wissen aus dem Studium, den Erfahrungen, die ich gemacht habe und deren Erkenntnissen, diese Frage beantworten.

 

Im folgenden Text werde ich die Personenbezeichnungen „der Berater“ und „der Klient“ verwenden, gemeint sind gleichfalls auch „die Beraterin“ und „die Klientin“.

 

 

2. Achtsamkeit

 

 

Achtsamkeit ist die Aufmerksamkeit auf die innere Einstellung Allem und Jedem gegenüber. Sie wird gekennzeichnet von Nicht-Urteilen, Geduld, den Geist des Anfängers bewahren, Vertrauen, Akzeptanz, vom Loslassen, Mitgefühl, Dankbarkeit und Versöhnlichkeit. Sie ist die >Kunst< jeden Augenblick in seiner ganzen Fülle wahrzunehmen, ihn so wie er ist zu akzeptieren und wertlos anzunehmen. Dazu gehören das Erkennen und Annehmen aller körperlichen Empfindungen, sowie der eigenen Gefühle und Gedanken. Jeder Augenblick soll nicht beurteilt, sondern wahrgenommen, beobachtet und aufmerksam erfahren werden. Achtsamkeit bedeutet auch seine Gedanken gezielt zu beruhigen und somit den Geist und dadurch den Körper zur Ruhe und Entspannung zu bringen.

2.1.  Wissenschaftliche und medizinische Hintergründe

2.1.1. Neuroplastizität

Der neu entstandene Forschungszweig der kontemplativen Neurowissenschaft untersucht die Gehirnfunktionen im Zusammenhang mit den Grundfragen nach dem Bewusstsein und dem Geist-Körper-Zusammenhang. Er hat bewiesen, dass das Gehirn ein lebenslang lernfähiges Organ ist, das bis ins hohe Alter hinein und in Anpassung an äußere Einflüsse ständig weiter ausreift, sich wandelt und strukturiert. Zusätzlich ist bekannt geworden, dass gezielte Übungen gleich welcher Art, sowie wiederholte Konfrontation mit komplexen Aufgabestellungen diese grundlegende Fähigkeit des Gehirns stimuliert. (vgl.J.K.Zinn 2013, S.220) Das heißt, dass alles, was lange genug geübt und verinnerlicht wird, vom Gehirn bald als feste Gedankenstruktur gespeichert wird und solange unser Verhalten beeinflusst, bis wieder ein anderes Gedankenmuster eingeübt wird. Dies beweist, dass es jederzeit möglich ist, alte Gedankenmuster neu zu >überschreiben< und somit sein Leben zu beeinflussen.

 

2.1.2. Epigenetik

 

Die Epigenetik erforscht, „(...), auf welche Weise unsere Erfahrungen, Verhaltensweisen, die Art unserer Lebensführung und sogar unsere inneren Einstellungen Einfluss darauf haben können, welche Gene unserer Chromosomen >eingeschaltet< oder >ausgeschaltet< werden.“ (J.K.Zinn 2013, S.221) Hier wird bewiesen, dass der Mensch in der Lage ist, sein Erbgut durch Aktivieren beziehungsweise Deaktivieren von einzelnen Ausprägungen, zu beeinflussen. Auch hier erkennen wir, welche große Verantwortung wir uns selbst und unserem Körper gegenüber haben, denn wir sind damit theoretisch in der Lage, mit zu entscheiden, ob und wann bestimmte Krankheiten zum Ausbruch kommen.(vgl. J.K.Zinn 2013, S.221)


             2.1.3. Telomere

Telomere sind Elemente, die sich am Strukturende der Chromosomen befinden und notwendig für die Zellteilung sind. Sie verkürzen sich bei jeder Zellteilung, bis sie schließlich ihre Funktion ganz verlieren. Die Abnutzung der Telomere steht aber nicht nur im Zusammenhang mit der Zellalterung. Auch Stress beschleunigt nachweislich die Verkürzung der Telomere und bewirkt so deren schnelleren Funktionsverlust. Dies beweist, dass Stress und die Art und Weise, wie wir mit ihm umgehen, in direkter Beziehung mit der Erneuerung unserer Zellen steht und somit unsere Lebenserwartung beeinflussen kann. (vgl. J.K.Zinn 2013, S.221) Diese Erkenntnis macht die Wichtigkeit von stressreduzierenden Maßnahmen, wie zum Beispiel Achtsamkeitstraining, Autogenes Training und Meditation deutlich.

 

2.1.4. MBSR

 

Das im Jahre 1979 gegründete Medical Center der University of Massachusetts nutzt die Achtsamkeit  mit dem Programm Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz MBSR erfolgreich. Es zeigt, dass  Achtsamkeit durch verschiedene Methoden verinnerlicht werden kann und hat  damit in Medizin, Psychologie und Psychiatrie kontinuierlich  Anstöße zu einer neuen Entwicklung gegeben. Sie lässt sich als einbeziehende oder partizipatorische Medizin bezeichnen, die im Jahre 1979 eine neuartige Methode in der klinischen Betreuung im Rahmen der Verhaltenstherapie darstellte. Sie geht davon aus, dass mentale und emotionale Faktoren erhebliche positive wie negative Auswirkungen auf unsere physische und psychische Gesundheit haben und klärt, wie  wir angesichts chronischer Schmerzen, Krankheiten und Stress in der Lage sind, uns Lebensqualität und Lebensfreude zu erhalten.(vgl.J.K.Zinn 2013,S.29,39,169) Mit der Methode der MBSR wird es möglich, Menschen kontinuierlich auf den Weg der Achtsamkeit zu führen und sie anzuleiten, selbstständig ihr Leben darauf auszurichten. Sie erhalten dadurch die Möglichkeit, aktiv  ihre Lebensqualität zu beeinflussen. Es wird deutlich, dass das Thema Achtsamkeit ein nicht zu unterschätzender Faktor ist, für die psychische und physische Gesundheit eines Menschen, sowie beim Erlangen seiner Individuation. Die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse postulieren den  Wirkungszusammenhang von Körper und Geist des Menschen und seiner Entwicklung.

2.2 Geistige und seelische Qualitäten der Achtsamkeit

2.2.1. Nicht-Urteilen

 

Unser Geist etikettiert und klassifiziert ständig. Dinge, Menschen und Ereignisse werden als gut, schlecht oder neutral bewertet. Die Gewohnheit alles zu bewerten, besitzt eine Schutzfunktion, die verhindern soll, dass unsere Wahrnehmung mit zu vielen Eindrücken überhäuft wird. Sie hilft unserem Gehirn Bekanntes zu strukturieren und Unbekanntes zu definieren und einzuordnen.

Unser Bewusstsein wird jedoch dadurch auf unbewusst ablaufende, stereotype Reaktionsmuster beschränkt, denen jegliche Objektivität fehlt. Unsere subjektiv wertende Wahrnehmung macht es nahezu unmöglich, innerlich gelassen zu sein und mit Klarheit zu sehen, was wirklich im Innen und Außen geschieht. Beim Üben der Achtsamkeit können wir gezielt dieses urteilende Wesen des Geistes, sobald es sich zeigt, erkennen. Dadurch wird es möglich, eine weitere Perspektive zu gewinnen, indem wir uns bewusst aller Bewertung enthalten. Nehmen wir  die Rolle des Beobachters ein und beobachten einfach was geschieht, einschließlich unserer Reaktion darauf, können  sich neue Möglichkeiten der Wahrnehmung und Akzeptanz bilden. Es geht nicht darum, den Geist daran zu hindern, dass er Urteile fällt, wir müssen uns nur bewusst werden, was  geschieht. (vgl. J.K.Zinn  2013, S. 69,70)

Begegnet ein Psychologischer Berater einem Menschen, der in ihm im ersten Moment Unbehagen, Unsicherheit oder sogar Angst auslöst, kann er sich mit Hilfe der Achtsamkeit seiner Gefühle bewusst werden. Nun kann er versuchen, sie nicht zu bewerten, sie nur zu beobachten und schließlich zu akzeptieren. Dadurch kann es ihm möglich werden, eine andere Perspektive einzunehmen, die ihm die Chance bietet, sich auf die Situation einzulassen und seinem Gegenüber anzunehmen, so wie er ist. Die dadurch entstehende Gelassenheit und Sicherheit wird sich positiv auf die Kommunikation zwischen Berater und Klient auswirken und es kann so die Basis für eine gute Beziehung entstehen.    

2.2.2. Geduld

 

„ Geduld ist eine Form von Weisheit, eine Art inneren Wissens. Sie bringt zum Ausdruck, dass wir verstehen und akzeptieren, wenn Dinge ihre Zeit brauchen, um sich zu entfalten. (…) Wir rufen uns bewusst in Erinnerung, dass kein Grund zur Ungeduld besteht, wenn unser Verstand nicht aufhört zu urteilen oder wir angespannt, unruhig oder mit Sorgen belastet sind oder wenn wir trotz beharrlichen Übens keine positiven Veränderungen sehen können. Wir geben dieser Erfahrung in uns Raum, um ihrer innezuwerden. Warum?  Weil sie ohnehin da sind! In dem Augenblick, in dem sich solche Gedanken oder Gefühle einstellen, sind sie Teil unserer Realität. (…) Geduld zu haben bedeutet, für jeden Augenblick empfänglich zu sein und ihn in seiner Fülle anzunehmen, zu wissen, dass sich alles entfaltet, wenn der richtige Moment gekommen ist.“(J.K.Zinn  2013, S.70,71)

Während der Psychologischen Beratung bedeutet dies für den Berater, in der  zwischenmenschlichen Beziehung zu seinem Klienten, seine eigenen Grenzen wahrzunehmen, ohne sich zu verurteilen. Spürt er diese Grenze, gilt es sie  zu verstehen und als Realität anzuerkennen. Dies ist wichtig, wenn es ihm nicht möglich ist, einen bestimmten Menschen vorbehaltlos zu akzeptieren. Nur durch Geduld kommt er immer näher an seine Grenze und ist eines Tages bereit sie zu überschreiten und sich somit weiter zu entwickeln. Ist  der Berater geduldig, strahlt er Ruhe und Gelassenheit aus.

Der Klient wird schnell merken, dass er von dem Berater die Zeit  bekommt, die er für seine Selbstbeobachtung braucht. Er wird die Introspektion ohne Druck besser erreichen und so zu seinen Gefühlen und zu seiner Lösung finden.

 

2.2.3. Der Geist des Anfängers

 

In der Regel haben wir den Dingen im Leben gegenüber eine vorgefasste Meinung, die durch unsere Erfahrung entstanden ist. Deshalb gehen wir davon aus, dass unsere alltägliche Sicht die einzig richtige ist. Darüber verlieren wir den Blick auf das Außergewöhnliche im Alltag. Durch den >Geist des Anfängers< können wir alles so betrachten, als wäre es das erste Mal und vorbehaltlos erleben. (vgl. J.K.Zinn  2013,S.72)

In der Psychologischen Beratung ist dies ein sehr wichtiger Aspekt. Gelingt es dem Berater, jede neue Gesprächssituation mit seinem Klienten frei von Erwartungen durch die bisherigen Erfahrungen zu erleben, kann er dem Klient das Gefühl vermitteln, dass das, was in der Vergangenheit geschehen ist, nichts damit zu tun hat, was im jetzigen Augenblick passiert. Jeder neue Augenblick birgt die Chance auf Veränderung und Entwicklung. Der Klient bekommt so die Möglichkeit, aus seiner Rolle zu schlüpfen und sich aus einer anderen vielleicht neuen Perspektive wahrzunehmen und besser verstehen zu lernen. Dabei ist es wichtig, dass der Berater dann diese neue Sichtweise, mit den dazugehörigen Gefühlen dem Klienten spiegelt, damit er sie umfangreich wahrnehmen kann. Die neue Sichtweise auf sich selbst, hilft dem Klienten sich besser zu verstehen und eventuell seiner Lösung näher zu kommen. Der Geist des Anfängers ermöglicht dem Berater auch Interpretationen, Mitleid und Vorurteile zu vermeiden. Er kann somit den Klienten immer wieder neu wahrnehmen und seine Entwicklung vorbehaltlos beobachten.

2.2.4. Den  Gefühlen vertrauen

Unsere Gefühle sind Zeichen unserer Seele, die uns zeigen was für uns richtig oder falsch ist. Wenn wir ihnen vertrauen und auf sie angemessen reagieren können, können wir uns besser verstehen. „ Je mehr Vertrauen sie in Ihr eigenes Sein entwickeln, desto leichter wird es Ihnen fallen, auch Ihren Mitmenschen mit Vertrauen zu begegnen und in Ihnen das wesenhaft Gute sehen.“ (J.K.Zinn  2013, S. 72)  Das bedeutet, kann ich meinen Gefühlen vertrauen, habe ich Vertrauen in mich selbst, also Selbstvertrauen.

> Mir ist bewusst, dass meine Gefühle mir intuitiv die Antwort auf meine Fragen geben.<   Diese Erkenntnis ist bedeutend, da sie die Wichtigkeit des Spiegelns in der Psychologischen Beratung zeigt. Spiegeln bedeutet, den vom Berater wahrgenommenen inneren Bezugsrahmen  des Klienten und die damit verbundenen Gefühle zu erfassen, zu verbalisieren und sie dem Klienten somit bewusst und erfahrbar zu machen.

Denn nur wenn sich der Klient seiner Gefühle bewusst wird, kann er sie verstehen und angemessen darauf reagieren. Er lernt ihnen wieder zu vertrauen und kann so zu einer Lösung seiner Probleme finden. Zudem merkt er, dass es sich lohnt anderen Menschen Vertrauen zu schenken, da dies zu einer positiven Lebenseinstellung beiträgt.

2.2.5. Akzeptanz

„Akzeptanz bedeutet…, zurechtzukommen mit dem, was ist.“(J.K.Zinn  2013,S. 74) Achtsam akzeptieren bedeutet, sich dessen bewusst zu sein, dass die augenblickliche Situation nur im Hier und Jetzt stattfindet, dass sie so ist wie sie ist und nur so betrachtet werden kann und sollte. Die gute Beziehung, die sich während der Beratungsgespräche entwickeln sollte, kann Beispiel dafür sein, jeden Augenblick zu akzeptieren. Sie zeigt dem Klienten, dass Veränderung immer möglich ist und somit jeder Zeit der Fokus auf eine positive Perspektive ausgerichtet werden kann. Wenn der Klient diese Erkenntnis in sein Umfeld übernehmen kann und es schafft, auch seinen Mitmenschen gegenüber zu akzeptieren anstatt zu urteilen, wird er bald merken wie erleichternd sich das anfühlt und sich so zwischenmenschliche Probleme auflösen können. Denn mit jedem neuen Augenblick  lässt sich in eine neue Richtung denken und somit die eigene Zukunft beeinflussen.

2.2.6. Loslassen

Wird es uns mit zunehmender Übung der Achtsamkeit möglich, bewusst unsere Gedankenmuster zu identifizieren und wahrzunehmen, können wir beginnen sie loszulassen. Das heißt, wir bemerken sie, bewerten sie jedoch nicht, sondern lassen die Gedanken weiterziehen. Das alte Muster verliert so die Macht über uns, kann sich nicht weiter festsetzen und unser Verhalten beeinflussen. Dies ist ein sehr befreiendes Gefühl, was sich wiederum auf unsere gesamte Einstellung zum Leben auswirkt. „Loslassen heißt zulassen. Es bedeutet, die Dinge so zu akzeptieren wie sie sind. Beobachten wir unseren Geist, in seinem Anhaften oder Widerstreben, so erinnern wir uns an unseren Vorsatz, diese Impulse loszulassen, und beobachten einfach, was weiter geschieht. Genauso verfahren wir, wenn Vorstellungen auftauchen, die sich auf die Vergangenheit oder die Zukunft beziehen: Wir beobachten nur und lassen sie in stillem Gewahrsein los.“ (J.K.Zinn  2013, S.76)

Kann  der psychologische Berater bestimmte Situationen oder Menschen nicht uneingeschränkt akzeptieren, weil er durch alte anhaftende Gedankenmuster beeinflusst wird, kann er versuchen diese loszulassen. Denn wird ihm dieser Gedanke  durch Achtsamkeit bewusst, hat er die Möglichkeit ihn weiterziehen zu lassen und sich so bewusst von ihm zu befreien. Es wird ihm so möglich, seine alten Grenzen zu erweitern oder gar zu überwinden. Dies bedarf jedoch ständiger Übung, bei der er die Geduld nicht verlieren darf. Achtsamkeit sollte nicht erzwungen werden, alles sollte sich einfach und natürlich anfühlen!

            2.2.7. Mitgefühl, Dankbarkeit und Versöhnlichkeit

Diese drei Qualitäten der Achtsamkeit, kommen im Alltag oft zu kurz, vor allem uns selbst gegenüber. So kommt es vor, dass man abgelenkt und mit den Gedanken nicht bei der Sache ist, sich selbst verurteilt, ungeduldig und undankbar ist.

Deshalb sollte die Achtsamkeit für jeden zu einer täglichen Übung werden, vor allem sich selbst gegenüber und bei den ganz alltäglichen Beschäftigungen. Jede Handlung sollte mit vollem Bewusstsein getätigt, wahrgenommen und genossen werden. Denn auch die vermeintlich lästigen Alltagsbeschäftigungen haben einen positiven Aspekt, spätestens wenn sie erledigt sind. Die Erkenntnis daraus lässt uns gelassener reagieren, freier und dankbarer sein.

 2.3. Yoga und Atemtechnik

„Yoga ist mehr als nur eine effektive Methode, um den eigenen Körper zu entdecken, ihn geschmeidiger und biegsamer zu machen, zu kräftigen, zu entspannen und wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Von außen betrachtet mag Yoga nur wie eine Körperübung aussehen, doch ist er weit mehr als bloße Körperertüchtigung. Mit Achtsamkeit ausgeführt, ist Yoga wirkliche Meditation.“(J.K.Zinn  2013, S.129/130) Durch aufmerksames Wahrnehmen des Körpers während der Übungen und den dazugehörigen Empfindungen, verbindet sich der Geist zunehmend mit dem Körper. Die zusätzliche Konzentration  auf die Atmung bewirkt, dass man mit seinen Gedanken ganz bei sich und im Hier und Jetzt ist. Die normale Gedankenflut wird so gestoppt, kommt zu geistiger Ruhe und Entspannung entsteht.

Für den Psychologischen Berater ist es wichtig, dass er in der Lage ist seine Gedanken zu beruhigen und sich so auf die Beratungssituation und den Klienten einzustellen. Es gibt verschiedene Möglichkeiten dies zu erreichen. So kann er zum Beispiel Autogenes Training oder die Yogaatemtechnik, die aus tiefen, langsamen und achtsamen Atemzügen besteht, für sich nutzen. Damit hat er die Möglichkeit, sich vor jedem Gespräch zu sammeln und seine volle Aufmerksamkeit auf die jetzige Situation zu lenken.

 

3. Positives Denken

 

Positives Denken bedeutet nicht, dass man eine rosarote Brille aufsetzt und sich vor der                         >negativen< Wirklichkeit  versteckt. Vielmehr handelt es sich hier um die Einstellung zum Leben überhaupt. Jede Situation kann immer aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet werden. Alle Augenblicke, auch die offensichtlich negativen haben das Potenzial uns in unserer Persönlichkeit voran zu bringen. Wenn uns dies bewusst ist, ist es leichter, auch die unangenehmen Dinge aus einem optimistischen Blickwinkel zu betrachten und sie als Herausforderung anzunehmen. Lässt sich diese Einstellung verinnerlichen, wird man dementsprechend ein positives Selbstkonzept entwickeln. Die damit verbundene Selbstwirksamkeit bestimmt das Handeln und die Aussicht auf Erfolg. Selbstbewusstsein und Sicherheit  führen dazu, dass der Mensch sich gut und ausgeglichen präsentieren kann, was wiederum zum Erfolg führt.


3.1. Die Einstellung zur Umwelt

Nicht nur die Einstellung zu uns selbst ist wichtig, sondern es ist auch ausschlaggebend, wie wir unsere Mitmenschen betrachten. So ist es wichtig, in jedem Menschen immer wieder das Gute zu sehen und an sein Potenzial zu glauben. Wenn man seine Mitmenschen in ihrem wahren Menschsein, einschließlich der Schattenseiten sehen und annehmen kann, kann man ihnen auch mit entsprechendem Aufmerksamkeit und  Wertschätzung  begegnen. Verhalten wir uns also fair und respektvoll gegenüber Jedem, können wir „Zum Wohle aller Beteiligten“ (I.Hullmann  2012, S.22) handeln. Gelingt es uns in unserem Umfeld eine wertschätzende, friedliche und positive Atmosphäre zu schaffen, wird sich dies auch auf unsere eigene Stimmung auswirken. „Alles was wir hineingeben, kommt irgendwann wieder zu uns zurück. Nicht nur das, was wir tun, sondern ebenso unsere Erwartungen, unser tiefer Glaube an etwas,(...) die wir bewusst oder unbewusst machen (...), besitzen die Tendenz, sich zu realisieren.“ (I.Hullmann  2012, S.23)

In der Beraterpraxis bedeutet das für den Berater, dass er immer echt und präsent sein muss, dem Klienten wirklich zuhören sollte und ihm damit uneingeschränkte Aufmerksamkeit und Wertschätzung schenken kann. So wird der Klient bald das Gefühl bekommen ernst genommen zu werden und bereit sein für eine vertrauensvolle gute Beziehung. Es wird ihm bewusst, dass es wichtig ist, mit seinen Mitmenschen gut umzugehen und sie zu schätzen, da sich so die eigene Einstellung entspannt und das eigene Leben positiv verändert. Oft wundern sich Menschen, warum sie ausgelaugt und energielos sind, obwohl ihr Alltag rein körperlich nicht zu anstrengend ist. Hier könnte die Haltung zur Umwelt die Ursache sein. Befasst sich jemand nur mit den Unzulänglichkeiten Anderer und lässt sich vielleicht auch noch von den Hiobsbotschaften der Medien mitreißen, kann er eventuell das Positive um sich nicht mehr wahrnehmen. Wertende negative Gedanken Anderen gegenüber sind kraftraubende Energieverschwendung. Sie schwächen  uns und können auf Dauer zu körperlichen Symptomen führen, wie zum Beispiel Schlafstörungen, Abgeschlagenheit, Nervosität oder ähnliches. Auch dies zeigt die Wichtigkeit einer positiven Einstellung.

3.2. Das Gesetz der Anziehung                                                                                  

„Nach dem amerikanischen Psychiater und Autor David R. Hawkins erzeugen sämtliche Emotionen sog. Attraktorenfelder, die wiederum prägend auf das Leben und den eigenen Körper wirken. Diese wirken wie Anziehungskräfte und ziehen diejenigen Personen und Ereignisse im Leben an, die der eigenen Schwingung entsprechen. Nach Hawkins’ Vorstellung erzeugen alle negativen inneren Zustände, wie z.B. Apathie, Depressionen, Stolz oder Wut, eine solche Schwingung (Attraktorenfeld), dass das Individuum seine eigene Kraft verliert und dadurch Gefühle von Angst und Ohnmacht verstärkt. Positive Gefühle entsprechen dagegen positiven Attraktorenfeldern, die zu wahrer Kraft führen und entsprechende positive Ereignisse im Leben anziehen (Hawkins 2010).“ (I.Hullmann  2012, S.171)

Geht man davon aus, dass unsere eigene Befindlichkeit ausschlaggebend dafür ist, wie unsere Umwelt reagiert, ist das Positive Denken und damit eine optimistische Einstellung zum Leben, eine fundamentale Bereicherung. Auch in der Psychologischen Beratung kann der Berater mit einer optimistischen Einstellung seinen Klienten gegenüber die Beziehung  gewinnbringend beeinflussen. Durch seine gute Stimmung nimmt er die positiven Eigenschaften besser wahr und erkennt in seinem Klienten das Gute, so werden eventuell auftretende Stereotypisierungen und Vorurteile abgeschwächt beziehungsweise treten nicht auf. Der Klient spürt dies, fühlt sich in seiner Person wertgeschätzt und verstanden. Es fällt ihm dadurch leichter aus einer vielleicht unliebsamen Rolle auszubrechen und sich und seine Situation aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Er bekommt die Möglichkeit der Selbstexploration. Der Berater kann bei ihm so, durch seine positive Einflussnahme, eine konstruktive Einstellungsänderung hervorrufen. Das Positive Denken gibt uns also die Möglichkeit, uns in einen Gemütszustand zu versetzen, der wiederum das Positive anzieht. Wir haben somit die volle Verantwortung für unser Leben, wir selbst entscheiden, wie wir denken und unser Leben beeinflussen.

 

3.3.  Glaubenssätze

 

Unbewusste Glaubenssätze beeinflussen unsere Gedanken, unsere Gedanken beeinflussen unser Verhalten und unser Verhalten wiederum beeinflusst unsere Realität, also unser Leben. Jeder von uns hat im Laufe seines Lebens die unterschiedlichsten Glaubenssätze, in denen bestimmte Muster stecken, verinnerlicht.

Sie haben ihren Ursprung meist in der Kindheit beziehungsweise im Familiensystem und hatten damals eigentlich einen positiven Zweck, der einen Mangel oder ein Ungleichgewicht kompensieren sollte. Durch die kontinuierliche Veränderung im Leben, ist dieser Zweck jedoch oft nicht mehr wichtig und das Muster deshalb überflüssig und störend. (vgl. I.Hullmann  2012, S.142/143) Glaubenssätze, die einen Klienten in seiner Entwicklung behindern, sollte er in der Psychologischen Beratung entdecken, aus einer anderen Perspektive versuchen zu betrachten und sie  in eine neue positive  Richtung lenken. Dies ist nicht einfach, da das Unterbewusstsein dafür neu programmiert werden muss. Hier hilft die Neuroplastizität des Gehirns. Der Psychologische Berater kann durch Methodik, gemeinsam mit dem Klienten dessen Ziele klären. Entsprechend dieser Zielvorstellungen sollten dann die neuen positiven Glaubenssätze formuliert werden, die vom Klienten als Affirmationen benutzt werden können. Das heißt, immer wenn er daran denkt, sagt er sich laut oder in Gedanken den neuen Glaubenssatz vor. Durch die Wiederholung wird er vom Unterbewusstsein aufgenommen und verankert. Die innere Einstellung des Klienten wird sich auf die neuen positiven Glaubenssätze ausrichten und kann so sein weiteres Leben positiv beeinflussen. Hilfreich können hier auch sogenannte Anker sein, wie z.B. Farben oder Symbole. Sagt sich der Klient seinen Glaubenssatz auf, kann er z.B. an die Farbe Grün denken. Sieht er dann später diese Farbe, wird sein Unterbewusstsein dies mit dem positiven Glaubenssatz verbinden und der Klient reagiert dementsprechend.

Nun hat er die Möglichkeit sich langsam mit Hilfe der neuen konstruktiven, positiven Glaubenssätze neu zu sehen und seine Zukunft optimistisch zu gestalten.

 

3.4. Medien

In unserer Zeit ist es möglich 24 Stunden am Tag die unterschiedlichsten Medien zu nutzen. Dabei sind die meisten Nachrichten jedoch eine Ansammlung von negativen Mitteilungen. „Nachrichten und Zeitungen sind nun die besten Informationsträger, um Ängste zu schüren und zu verstärken. Durch sie verbleiben wir in ständiger Schutzhaltung. Unser Körper ist damit völlig überfordert. Wir fühlen uns immer schwächer und kraftloser und sehen schon bald keine Perspektive mehr. Sind wir in unseren Gedanken in unserer Angstenergie gefangen, ziehen wir weitere Erfahrungen in unser Leben, die unsere Ängste bestätigen. Wir erinnern uns: Gleiches zieht Gleiches an.“ (P.Franckh  2012, S.120,121) Es ist von Vorteil, das Medienangebot dosiert und mit Vorsicht zu nutzen, indem gezielt und gewinnbringend mit Medien umgegangen wird. Sie sollten dazu beitragen, die persönliche Reife zu fördern, den Alltag zu erleichtern und das Leben zu bereichern. Bücher, Musik, Kultur, sowie das Internet mit all seinen Möglichkeiten können das unter anderem leisten. Es liegt an jedem selbst zu selektieren und sich für die geeigneten Medien zu entscheiden. Es ist wichtig, sich über das Weltgeschehen zu informieren. Jedoch sollten wir versuchen, dies mit emotionalem Abstand zu betrachten und uns nicht von der kommerziellen Meinung steuern zu lassen. Wir müssen uns bewusst sein, dass wir die meisten Dinge die geschehen nicht beeinflussen können. Es ist vorteilhafter, in seiner direkten Umgebung eine friedvolle und hilfsbereite Atmosphäre zu schaffen und so die eigene direkte Umwelt positiv zu beeinflussen. Indem wir uns vor zu viel negativer Medienbeeinflussung schützen, tun wir unserer Seele und damit unserem Körper einen Gefallen. In der psychologischen Beratung ist diese Erkenntnis wichtig, vor allem bei sehr ängstlichen und unsicheren Menschen. Der Berater sollte dem Klienten dann die Gefahren des falschen Medienkonsums verdeutlichen und ihn diesbezüglich zum Nachdenken anregen.

 

4.Wertschätzung

 

Fühlt ein Mensch, dass er von seinen Mitmenschen geachtet und in seiner Persönlichkeit anerkannt wird und zwar ganz genau so, wie er ist, dann spürt er echte Wertschätzung. Aber Wertschätzung zeigt sich nicht nur im persönlichen Miteinander. So kann auch ein Betrieb seinen Mitarbeitern Wertschätzung entgegen bringen, indem  die Arbeitsbedingungen, wie Ausstattung, Pausengestaltung und Verpflegung  positiv gestaltet sind, sowie prosoziales Miteinander angestrebt wird. Im Gegenteil dazu, führen schlechte Arbeitsbedingungen zum Beispiel hässliche, schmutzige und unzureichende Toilettenräume, schnell zu einem Gefühl von Geringschätzung und Frust.

Oft sind es viele kleine Dinge, die vom Unterbewusstsein wahrgenommen werden, die im Alltag stören und ein Gefühl der Geringschätzung hinterlassen. Der Mensch fühlt sich dann demotiviert, müde und angestrengt, aber auch wütend und manchmal aggressiv. Es fehlt an Leichtigkeit, der Alltag fühlt sich schwer an. Wenn es gelingt, neben der persönlichen Wertschätzung füreinander auch die äußeren Bedingungen günstig zu gestalten, wird sich ein positives, leichteres und motivierendes Gefühl einstellen. In der Beratungspraxis bedeutet das konkret, einen Raum der Wertschätzung zu schaffen, indem nicht nur versucht wird, den Klienten in seiner Persönlichkeit zu achten, sondern auch eine Atmosphäre des Wohlfühlens anzubieten und die Räumlichkeiten entsprechend zu gestalten. Wertschätzung zeigt sich im Umgang mit Allem und Jedem. Sie ist gekennzeichnet durch Beachtung schenken, Vertrauen, Gerechtigkeit, Spaß, Freude, Leichtigkeit, Lob und Freiraum, aber auch durch Kritik und Ehrlichkeit. Dinge, Menschen, Tiere, die Natur im Allgemeinen, der Alltag, alles sollte Wertschätzung bekommen. Es bleibt eine tägliche Herausforderung und bedeutet ständiges persönliches Wachstum, dies zu leben.

4.1. Beachtung schenken

Jemanden Beachtung schenken, ihn zu bemerken und ihm zu zeigen, dass es schön ist, dass es ihn gibt, ist ein Zeichen von tiefer Wertschätzung. Sicher lässt sich auch leben, ohne sonderlich beachtet zu werden. Was hat es dann jedoch für einen Sinn, sich für irgendetwas Mühe zu machen oder besonders fleißig zu sein. Es merkt doch niemand. Also bleibt derjenige ein Schatten seines Selbst und wird sein wahres Potenzial, seine Besonderheit nicht entdecken und entfalten. Deshalb ist es umso wichtiger, dass alle Menschen von Anfang an Beachtung erfahren. Dies sollte nicht nur in den Familien selbstverständlich sein, sondern auch in öffentlichen Einrichtungen. Hier sind z.B. Erzieher, Lehrer und Trainer die Menschen, die diese Verantwortung übernehmen sollten. Wenn die Kinder von uns Erwachsenen lernen, was Beachtung bewirkt und wie sie sich anfühlt, werden sie auch ihren Mitmenschen Beachtung entgegenbringen können. Der psychologische Berater kann dieser Verantwortung gerecht werden, indem er seinem Klienten seine volle Aufmerksamkeit schenkt und ihn somit in seiner Person und seinem Leben beachtet.

4.2. Vertrauen

Das erste Mal spüren wir unbewusst Vertrauen als Neugeborenes, wenn wir die Fürsorge und Zuwendung unserer Eltern, unserer Bezugsperson wahrnehmen. Die Entstehung dieses Urvertrauens ist die wichtigste Basis für ein vertrauensvolles Leben. Später lernen wir uns selbst zu vertrauen, indem andere uns etwas zutrauen. Diese Erfahrung ist sehr bedeutend, denn nur wer sich selbst vertrauen kann, kann auch anderen Menschen echtes Vertrauen entgegenbringen. Deshalb ist es besonders wichtig, zum Beispiel Kindern immer wieder zu zeigen, dass wir ihnen gewisse Dinge zutrauen, dass wir darauf vertrauen, dass sie sie können.


 

Denn wenn wir Menschen spüren, dass andere erwarten, dass wir gewisse Dinge nicht schaffen, empfangen wir Misstrauen. Dieses Misstrauen überträgt der Mensch auf sich selbst. Es kann also kein Selbstvertrauen entstehen. Der Berater muss seinem Klienten von Anfang an zeigen, dass er es ihm zutraut, die Verantwortung für sein Leben selbst zu übernehmen. Damit schafft er die Basis für eine vertrauensvolle Beziehung, in der der Klient zur Selbsterkundung und zum Selbstvertrauen  finden kann.

4.3. Gerechtigkeit

Spürt der Mensch Gerechtigkeit, fühlt er sich sicher. Empfindet er jedoch Ungerechtigkeit, wird er unsicher. Es kann Wut und Frust entstehen, die Motivation schwindet und macht dem Desinteresse Platz. Es ist deshalb wichtig, dass man versucht gerecht mit jedem Menschen zu sein. Klare Regeln müssen für jeden nachvollziehbar vorhanden sein, sie sind für uns Menschen wichtig, damit wir unsere Grenzen einschätzen können. Regeln sollten nicht kompliziert, sondern für jeden transparent, verständlich und praktikabel sein und das Gefühl von Sicherheit unterstützen. Bei Verstoß einer Regel sollte sich nicht auf dem gemachten Fehler konzentriert werden, sondern auf die Lösung des entstandenen Problems. So kann man aus dem Fehler lernen und eine positive Veränderung bewirken. Jeder sollte dazu bereit sein, auch mal einen Fehler einzugestehen. Auch oder gerade wir Erwachsenen den Kindern gegenüber. Denn auch hier gilt, dass wir Erwachsenen den Kindern gegenüber vorleben, wie sich Gerechtigkeit lernen und praktizieren lässt. Wenn wir zu den Kindern gerecht sind, werden sie auch uns und anderen gegenüber gerecht agieren. Ungerechtigkeiten, die im Alltag passieren, können sicher auch Gesprächsthema in einer Psychologischen Beratung sein. Deshalb ist es wichtig, dass der Berater auf dieses Thema eingeht und dem Klienten dabei hilft, die Ursachen dafür zu finden.

4.4. Spaß, Freude und Leichtigkeit

Alles was uns Spaß macht, gibt uns ein gutes Gefühl. Deshalb sollten auch die kleinen alltäglichen Dinge Spaß bringen, indem darauf geachtet wird,  dass die anscheinend >anstrengenden< Aufgaben im Leben mit etwas Leichtigkeit angegangen werden. Denn spätestens wenn diese Aufgabe geschafft ist und wir erfolgreich damit waren, können wir uns darüber freuen. Den Spaß müssen wir uns selbst machen und damit  ins Leben holen. So lässt sich an vielen kleinen Dingen erfreuen, wie etwa einem Lieblingslied oder Vogelgezwitscher am Morgen. Man muss offen für diese Dinge sein und seine Wahrnehmung darauf ausrichten. Auch anderen eine Freude zu machen ist eine persönliche Bereicherung, die glücklich macht. Vor allem beim Lernen und Arbeiten sollte der Spaß nicht zu kurz kommen, denn was Spaß und Freude bereitet, gelingt auch leicht und gut. In der Beratung kann deshalb so oft es geht und angebracht ist, mit Freude und Humor gearbeitet werden, damit die Klienten ein Gefühl von Leichtigkeit erfahren und sich nicht zusätzlich Sorgen machen müssen.


4.5. Lob

Menschen lieben es gelobt zu werden, denn es ist ein Zeichen dafür, etwas richtig und gut gemacht zu haben. Als kleine Kinder werden wir noch für fast alles gelobt, was wir machen und schaffen. Das motiviert uns immer weiter voranzuschreiten. Später wird das Loben weniger und wir hören immer öfter, was wir nicht können oder dass es nicht ausreicht, was wir leisten. Es entsteht das Gefühl nicht gut genug zu sein, was auf Dauer demotiviert und frustriert. Jeder Mensch sollte jedoch in seinen Fähigkeiten und Möglichkeiten geachtet werden. Indem den Menschen auch für kleine Erfolge ein Lob ausgesprochen wird, werden sie motiviert weiterzumachen und größere Erfolge zu erreichen und somit ihr Potenzial auszuschöpfen.

4.6. Freiraum

Freiraum zu haben ist ein Zeichen von Vertrauen und Wertschätzung. Erfährt ein Klient, während der Psychologischen Beratung Freiraum, zeigt der Berater ihm, dass er dem Klienten zutraut, seinen Freiraum sinnvoll und gewinnbringend zu nutzen. Das wiederum wird den Klienten dazu motivieren, sinnvoll und gewinnbringend mit seinem Freiraum umzugehen. Er erwidert damit das ihm entgegengebrachte Vertrauen und schafft es so, sich zu organisieren und damit seine Situation positiv zu verändern. Er erreicht wieder mehr Sicherheit und Selbstständigkeit. Freiraum beeinflusst und fördert immer die Kreativität und das individuelle Autonomiestreben. Wohingegen zu wenig Freiraum wenig Platz lässt für individuelles Wachstum.

4.7. Kritik und Ehrlichkeit

Kritik sollte immer wertschätzend sein. Nur wenn Kritik wertschätzend und konstruktiv ist, wird sie eine positive Veränderung bei dem Kritisierten hervorrufen. Er wird die Zweckmäßigkeit und Nützlichkeit der Kritik erkennen und bereit sein, sich so zu verhalten, dass er sie konstruktiv umsetzen kann. Er erfährt so Beachtung und Respekt. Auch die Ehrlichkeit ist in diesem Kontext zu nennen. Denn durch die Ehrlichkeit seiner Mitmenschen merkt ein Mensch wie er auf sie wirkt und kann sich so selbst besser einschätzen und weiter entwickeln. In der psychologischen Beratung sind Kritik und Ehrlichkeit unerlässlich, geben sie doch einen Rahmen für Echtheit und Kongruenz.


 

5. Zusammenfassung

 

Beim Erarbeiten meiner Facharbeit ist mir nochmals bewusst geworden, dass es eine tägliche Herausforderung bedeutet, das Leben stets in optimaler Präsenz  zu erleben. Manchmal bin ich abgelenkt  oder mit destruktiven Gedanken beschäftigt. Das Bewusstsein darüber, dass meine Gedanken mein Leben beeinflussen, hat meine Sichtweise in vielen Dingen erweitert. So sind für mich z.B. Nicht-Urteilen, Geduld üben und Gedanken weiterziehen lassen wichtige Achtsamkeitsübungen im Alltag geworden, die mir helfen, meine persönlichen  Empfindungen in manchen Situationen zu bemerken und besser zu verstehen.

Durch das positive Denken und die damit verbundenen Gesetzmäßigkeiten, habe ich gelernt, wie wichtig es ist, meine Gedanken zu beruhigen und somit steuern zu können. Dies bietet mir die Möglichkeit, aktiv mein Leben zu beeinflussen und zu gestalten.

Wertschätzung Allem und Jedem gegenüber zu üben, ist ebenfalls eine große Herausforderung, die jedoch sehr lohnenswert ist und das eigene Leben bereichert. Indem ich meine Umwelt wertschätze, erscheint sie mir schöner, lebens-und liebenswerter. Die Chance glücklich zu sein ist somit größer.

In der Psychologischen Beratung sind das Anstreben von persönlicher Reife und die emotionale Stabilität des Beraters wichtige Voraussetzungen für eine professionelle und erfolgreiche Arbeit mit Menschen. Die Merkmale Kongruenz, Akzeptanz und Empathie also einfühlendes Verstehen sollten von Ihm verinnerlicht sein und zu seinen Verhaltensmerkmalen gehören. Um diese Reife zu erreichen, ist ein ständiger Entwicklungsprozess nötig, der durch tägliches Üben und Lernen gekennzeichnet ist. Die Achtsamkeit, das positive Denken, sowie die Wertschätzung sind dabei elementare Voraussetzungen dieses Ziel zu erreichen. Geben sie doch eine  grundsätzliche Richtung zur Einstellung des Lebens.  Kann der Berater sich auf diese Einstellung zum Leben einlassen, hat er die Möglichkeit seine Persönlichkeit immer weiter zu entwickeln und gute Beziehungen zu Menschen aufzubauen.

Die Kriterien Achtsamkeit, positives Denken und Wertschätzung sind deshalb für mich als Beraterin, für den Klienten und für jeden Menschen sehr wichtig.

 

Deshalb möchte ich, meine in der Einleitung gestellte Frage

„Sind Achtsamkeit, Positives Denken und Wertschätzung wichtige Kriterien in der Psychologischen Beratung?“,

mit einem deutlichen > Ja < beantworten.

 

                                                                                                                    Katrin Skarabis


6. Literaturverzeichnis

 

Franckh, Pierre:  Das Gesetz der Resonanz. 5. Auflage ,

Bulgarien (Koha-Verlag GmbH) 2012.

 

Hullmann, Ina:  How To coach. Mit Leichtigkeit Coaching lernen.

Stuttgart (Schattauer GmbH) 2012.

 

Kabat-Zinn, Jon:  Gesund durch Meditation. Das große Buch der Selbstheilung mit MBSR. Vollständig überarbeitete Neuauflage. München (Knauer Verlag) 2013.

 

Rogers, Carl R.:  Therapeut und Klient. Grundlagen der Gesprächspsychotherapie.

14.Auflage: Juni 1999, Frankfurt am Main (Fischer Verlag GmbH) 1983